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Zwei Studien und was in der Schweiz als Nächstes aufgebaut werden muss

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April 10, 2026

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Die neue HSLU-Studie zeigt, wo Organisationen in der Schweiz bei digitalen Identitäten und elektronischen Nachweisen heute stehen. Die PwC-Studie ergänzt die internationale Systemperspektive. Sichtbar wird vor allem eines: Für die nächste Phase reicht technische Infrastruktur allein nicht. Es braucht Orientierung, gemeinsames Lernen, verständliche Anwendungspfade und eine nachhaltige Finanzierung der Funktionen, die ein Ökosystem anschlussfähig machen.

Mit der neuen HSLU-Studie liegt eine aktuelle Standortbestimmung zu digitalen Identitäten und elektronischen Nachweisen in der Schweiz vor. Die PwC-Studie ergänzt dazu die internationale Systemperspektive. Beide machen auf unterschiedliche Weise sichtbar, was in der nächsten Phase relevant wird: nicht nur die Verfügbarkeit der Infrastruktur, sondern die Okosystem-Bedingungen, unter denen daraus tatsächliche Nutzen, Orientierung und Anschlussfähigkeit entstehen.

Die HSLU-Studie zeigt, wo Organisationen in der Schweiz heute stehen. Digitale Identitäten und elektronische Nachweise sind in vielen Organisationen ein Thema. Gleichzeitig wird deutlich, dass es noch erheblichen Bedarf an Einordnung, Integrationsperspektiven, Vertrauen, Governance und verständlichen Einführungspfaden gibt. Das ist vor einer breiteren Einführung nicht ungewöhnlich. Relevant ist, dass diese Punkte bereits jetzt klar benannt werden können.

Die PwC-Studie blickt auf eine andere Ebene. Sie untersucht im internationalen Vergleich, welche Faktoren digitale Identitätssysteme tragfähig machen. Dazu gehören nicht nur technische Grundlagen, sondern auch institutionelle Verankerung, Governance, Nutzbarkeit, Einbettung in reale Prozesse und die Fähigkeit, Adoption über verschiedene Akteursgruppen hinweg zu ermöglichen. Für die Schweiz ist diese Perspektive deshalb nützlich, weil sie den Blick über die Infrastruktur hinaus auf die eigentlichen Bedingungen von Wirksamkeit lenkt.

Zwischen beiden Perspektiven entsteht ein konsistentes Bild. Die technische Infrastruktur ist ein notwendiger Schritt. Sie genügt aber nicht. Entscheidend wird, ob Organisationen verstehen, wie sie sich einordnen können, welche Anwendungspfade realistisch sind, wie sich erste Erfahrungen aufbauen lassen und wie aus einzelnen Aktivitäten schrittweise ein anschlussfähiges Ökosystem entsteht.

Genau an dieser Stelle gewinnen Funktionen an Bedeutung, die oft nicht im Zentrum der Debatte stehen. Dazu gehören Orchestrierung, strukturierte Lern- und Austauschformate, verständliche und verbindende Use Cases, Pilotierungen mit gemeinsamem Lernwert sowie Formen von Ecosystem Discovery, die sichtbar machen, was bereits existiert, was noch fehlt und wo sich Wiederverwendung abzeichnet.

Diese Funktionen sind keine Ergänzung für später. Sie gehören zur nächsten Phase des Aufbaus. Gerade in einem verteilten Ökosystem mit unterschiedlichen Rollen, Reifegraden und Interessen braucht es Mechanismen, die Orientierung schaffen, Übergänge zwischen Ambitionsleveln verständlich machen und Erfahrungen so aufbereiten, dass sie für weitere Akteure nutzbar werden.

Das gilt auch für Initiativen wie ein Launchpad. Deren Rolle liegt nicht in der Parallelisierung bestehender Infrastruktur, sondern in der Unterstützung jener Zwischenebene, auf der Organisationen sich orientieren, erste Anwendungsfälle fassen, gemeinsame Artefakte entwickeln und aus abstrakten Möglichkeiten schrittweise konkrete Anwendungspfade ableiten können. Besonders relevant sind dabei Cases und POCs, bei denen nicht der Showeffekt im Vordergrund steht, sondern gemeinsames Lernen und nachvollziehbare Übertragbarkeit.

Ein weiterer Punkt ist die Sichtbarkeit des Ökosystems selbst. Wenn Akteure weder erkennen können, welche Nachweise, Rollenmodelle, Services und Bausteine bereits vorhanden sind, noch wo Lücken bestehen oder welche Pfade sich abzeichnen, bleibt das System schwer lesbar. Ecosystem Discovery ist deshalb keine Nebenfunktion, sondern Teil der Voraussetzung dafür, dass ein Ökosystem überhaupt verständlich und entwicklungsfähig wird.

Auffällig ist, dass genau diese Funktionen häufig nicht nachhaltig finanziert sind. Für technische Komponenten oder einzelne Produkte lassen sich Finanzierung und Zuständigkeit oft vergleichsweise klar zuordnen. Schwieriger ist es bei jenen Leistungen, die vielen nutzen, aber nicht ohne Weiteres einem einzelnen Träger oder Geschäftsmodell zugeordnet werden können. Dazu zählen Orchestrierung, sektorübergreifende Aktivierung, Discovery, gemeinsame Referenzmuster, Governance-Artefakte und strukturierte Lernformate.

Daraus ergibt sich eine sachliche Folgerung: Wenn die Schweiz möchte, dass aus der Vertrauensinfrastruktur mehr entsteht als technische Verfügbarkeit, dann müssen auch diese Enabler als eigenständige Aufbauleistungen verstanden und entsprechend getragen werden. Andernfalls bleibt die Lücke zwischen bereitgestellter Infrastruktur und breiterer Anschlussfähigkeit bestehen.

Mit zunehmender Reife von Produkten und Services wird sich manches vereinfachen. Je mehr marktfähige Angebote auf dieser Grundlage entstehen, desto leichter wird der Einstieg für weitere Organisationen. Die anspruchsvolleren Potenziale liegen allerdings darüber hinaus – insbesondere dort, wo verifizierbare Datenflüsse in engeren Beziehungen zu Kundinnen und Kunden, Partnern und Lieferanten eingebettet werden und dadurch neue Formen digitaler Handlungsfähigkeit ermöglichen.

Die beiden Studien liefern dafür keine fertige Roadmap. Sie machen aber sichtbar, welche Art von Aufbauarbeit in der nächsten Phase nötig ist. Dazu gehören nicht nur Technik und Regulierung, sondern auch Orientierung, Lernfähigkeit, sichtbare Entwicklungspfade und die nachhaltige Finanzierung derjenigen Funktionen, die ein Ökosystem lesbar und anschlussfähig machen.

 

Quellen zu den Studien

HSLU-Studie:

Weingärtner T., Kustor N. (2026) «Digitale Identitäten und elektronische
Nachweise in der Schweiz 2026» Hochschule Luzern, Rotkreuz, Schweiz

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PwC-Studie:

PwC, Strategy& (2025) «Digital Identities Across the World: Approaches, Challenges and Best Practices» PwC, Global Study

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